Schaum der Woche (2)
Allendorf Raffinesse brut 2004
Champagner ist – man mag das gutheissen oder nicht – beim Schaumwein nach wie vor das Mass aller Dinge. Nicht nur wenn es um hohe Preise geht. So ist es nicht verwunderlich, dass jeder Winzer und Kellermeister, der versucht einen Schaumwein zu produzieren der mehr sein soll als ein munteres Erfrischungsgetränk, sich an diesem Vorbild orientiert. Im Rheingau habe ich ein gelungenes Beispiel dafür gefunden, dass es durchaus möglich ist einerseits eine champagnerartige Qualität zu erreichen, dabei aber auch ein eigenes in diesem Fall auf der Sorte Riesling basierendes frisches Geschmacksbild auszubilden.
Seit 1999 gibt es beim Weingut Allendorf in Oestrich-Winkel einen Brut Sekt namens Raffinesse. Ulrich Allendorf hatte ihn seinerzeit aus Anlasse des Millenniums als schäumende Spitze seiner Produktion kreiert – kein reiner Riesling sondern eine Cuvée aus Riesling (70)%) mit Chardonnay (20 %) und Pinot meunier (10 %) hergestellt im traditionellen Verfahren der Flaschengärung und nach zwölf bis 13 Monaten handgerüttelt. Die Trauben der beiden Burgundersorten stammen aus Winkler Lagen Hasensprung (Chardonnay) und Gutenberg (Pinot meunier), der Riesling aus Geisenheim.
Der Raffinesse des Jahrgangs 2004 ist auf dem Weingut ausverkauft, aber im Handel hie und da noch zu finden. Es bist ein kraftvoller Stoff mit einem etwas stürmischen und eher grossperligen Mousseux, nachhaltig mit langem Abgang. In der Nase ein schöner reifer Fruchtcharakter, etwas Aprikose aber auch zarte rote Beerenfrüchte. Der Wein hat Opulenz und Schmelz, aber auch noch ein gewisses jugendliches Ungestüm. Wer es lieber weiniger mag, sollte ihn noch zwei, drei Jahre lagern. Dieser Sekt kann dadurch nur gewinnen. 87/100
Vom Nachfolgejahrgang 2005, dessen Vermarktung gerade begonnen hat, wurden 15.000 Flaschen produziert. Die Flasche kostet 12.50 Euro und dies empfinde ich als ein höchst zivilisiertes Preisniveau. Für den Jahrgang 2006 gelang Ulrich Allendorf ein grosser Coup. Ab 2009 wird die Lufthansa den Sekt weltweit in ihrer Businessclass einsetzen. Die Produktion wurde deshalb auf 70.000 Flaschen hochgefahren. Damit kommt er seinem nächsten Ziel einen schritt näher, nämlich den Wein nicht innerhalb eines Jahres abzuverkaufen sondern ihn chargenweise zu degorgieren und somit nach und nach wenigstens für einen Teil der Produktion ein längeres Hefelager von wenigstens zwei Jahren. Damit würde er sich dem Ideal des Champagners ein weiteres Schrittchen nähern.